GENESIS - Die Magen-Darm-Experten im Saarland
StartGENESIS-ÄrzteMagenspiegelungDarmspiegelung
17.02.2020

Wer finanziert den Fortschritt in der Gesundheitsversorgung?

Individualisierte Medizin, KI-gestützte Diagnostik und innovative Therapien


Medizin ist im Wandel und das soll den Menschen zu Gute kommen. Der veränderte Lebenswandel und die demographische Entwicklung bringen neue gesundheitliche Risiken, auf die wir uns mit fortschrittlichen Verfahren vorausschauend einstellen müssen. Das erfordert Investitionen. Aber wie sollen die aufgebracht werden, wenn den Spezialisten in den fachärztlichen Praxen der finanzielle Spielraum genommen wird?

"Nehmen wir das Beispiel Darmkrebs: Die Vorsorge-Koloskopie hat unbezweifelbar dazu beigetragen, dass weniger Menschen an dieser Krebsform erkranken und versterben", sagt Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). "Dieser Erfolg war nur möglich, weil die Fachärzte in ihren Praxen auf eigene Kosten moderne technische Einrichtungen und hohe Qualitätsstandards etabliert haben."

Die technische Entwicklung bleibt nicht stehen. Um den eingeschlagenen Weg mit weiter steigendem Erfolg fortsetzen zu können, werden die endoskopischen Verfahren künftig mit Methoden der künstlichen Intelligenz verbunden werden. Das erfordert erhebliche Investitionen, für die aus öffentlichen Kassen kein einziger Cent zu erwarten ist.

"Wir wissen heute bereits, dass sich die Fettlebererkrankung kurzfristig zu einer weit verbreiteten Volkskrankheit entwickeln wird", erläutert Dr. Beyer weiter. "Für die Verlaufskontrolle stünden heute schon ausgereifte Diagnostikmethoden wie die Elastographie zur Verfügung. Dabei handelt es sich um hochspezialisierte Ultraschallverfahren, die besondere Geräte und spezielles Fachwissen erfordern. Die Krankenkassen zeigen kein Interesse, solche wegweisenden Verfahren für die ambulante Versorgung zur Verfügung zu stellen. Ohne die Investitionen von niedergelassenen Gastroenterologen wird diese sinnvolle Untersuchungsmethode nie eingeführt werden können."

Ein drittes Beispiel liefern die inzwischen immer weiter verbreiteten Genanalysen, die es erlauben, medizinische Therapien an die individuelle Konstitution des Patienten oder die besonderen Eigenschaften eines Krankheitserregers anzupassen. "Im Bereich der differenzierten Behandlung von viralen Leberentzündungen haben die Magen-Darm-Ärzte hier von Anfang an genetische Varianten als Kriterium für die Therapiewahl berücksichtigt", erläutert Dr. Beyer. "Den Erwerb des erforderlichen Spezialwissens müssen wir Fachärzte selbst finanzieren Darüber hinaus haben wir das Regressrisiko für die Verordnung innovativer Arzneien schultern müssen."

"Viele Menschen sind wegen akuter oder chronischer Erkrankungen auf die Spezialkenntnisse und die therapeutischen Möglichkeiten von niedergelassenen Fachärzten angewiesen", sagt Dr. Beyer. "Die meisten müssen für ihre Versorgung nicht ins Krankenhaus geschickt werden, weil die erforderlichen Verfahren in den fachärztlichen Praxen vorgehalten werden." Davon profitiert auch das Gesundheitswesen, weil diese Leistungen ambulant viel günstiger erbracht werden können als stationär. Aber irgendjemand muss für die Investitionen aufkommen. Bisher haben das in großem Umfang niedergelassene Fachärzte getragen. "Wer soll das künftig übernehmen, wenn unsere Leistungsvergütung rigoros zusammengestrichen wird?", fragt sich der Magen-Darm-Arzt.


(c) 2011, Gemeinschaft niedergelassener endoskopisch tätiger Internisten im Saarland e.V.