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23.08.2011

Versorgungslage von CED-Patienten - Gute Konzepte, schleppende Umsetzung

Die Fallbeschreibung einer Morbus Crohn-Patientin im „Spiegel“ hat das Empfinden vieler Betroffener deutlich vor Augen geführt: Sie fühlen sich allein gelassen. „Wir Ärzte haben ausgereifte Konzepte, die eine adäquate Versorgung dieser Menschen ermöglichen“, erklärt Dr. Bernd Bokemeyer vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng). „Wir weisen seit langem darauf hin, dass in der tatsächlichen Versorgungssituation in Deutschland leider nach wie vor ein großer Teil der Patienten nicht von diesen Konzepten profitieren kann.“


Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulzerosa sind relativ weit verbreitet und treten oft bereits in jungen Jahren auf. Diese Patienten sind oft ihr Leben lang von den nicht heilbaren Beschwerden betroffen. "Die teils komplexen Krankheitsverläufe erfordern eine intensive Zusammenarbeit verschiedener Fachgruppen und die gesamte Erfahrung der beteiligten Ärzte", betont der CED-Experte.

Zur Verbesserung der Versorgungslage haben das Kompetenznetz CED und der Selbsthilfeverband DCCV evidenzbasierte Versorgungspfade entwickelt. Das Behandlungsmodell setzt auf drei Ebenen der Zusammenarbeit: hausärztliche Primärversorgung, spezialisierte Sekundärversorgung in der gastroenterologischen Fachpraxis und hochspezialisierte Tertiärversorgung in gastroenterologischen Schwerpunktpraxen oder Schwerpunktambulanzen an Kliniken.

"Die Behandlung von CED-Patienten ist komplex und zeitintensiv. Sie erfordert spezielle Kenntnisse und Erfahrungen des Gastroenterologen", sagt Dr. Bokemeyer. "Für eine optimale Therapie sind zeitaufwändige Gesprächs- und Betreuungsleistungen unverzichtbar. Eine flächendeckende Versorgung scheitert derzeit daran, dass diese Leistungen im gültigen Vergütungssystem nicht vorgesehen sind."

Der bng fordert daher eine spezielle Betreuungspauschale für CED-Patienten, die der zeitaufwendigen Versorgung in Zentren gerecht wird. „Dies würde sich auch volkswirtschaftlich auszahlen“, meint Dr. Bokemeyer. „Denn mit einer besseren Therapie könnten gerade junge Patienten wesentlich länger arbeitsfähig bleiben.“


(c) 2011, Gemeinschaft niedergelassener endoskopisch tätiger Internisten im Saarland e.V.