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03.02.2020

Umverteilung zu Lasten von chronisch Kranken

CED- und Leberpatienten sind die Leidtragenden der Gesundheitspolitik


"Eine Umverteilung ohne Aufstockung des Gesamtbudgets bedeutet immer: Den einen wird gegeben, was anderen genommen wird", sagt Dr. Dagmar Mainz, die Sprecherin der niedergelassenen Gastroenterologen. "Der große Haken dabei ist: Wenn dies im Gesundheitssystem geschieht, geht es immer auch auf Kosten von Patienten, denen trotz chronischer Erkrankung erforderliche Betreuungsleistungen entzogen werden."

Das Hauptkriterium für die Verschiebungen bei der Finanzierung von Untersuchungen und Behandlungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Unterscheidung von mehr oder weniger technischen Leistungen. Dabei werden bestimmte Ärztegruppen pauschal und undifferenziert in die Schublade überwiegend technischer Tätigkeiten gepackt. Doch eine solche Schwarz-Weiß-Malerei geht nicht überall auf.

"Die Patienten der Magen-Darm-Ärzte gehören zu den Verlierern der Honorarreform", erklärt Dr. Mainz. "Natürlich nutzen wir mit den sonographischen und endoskopischen Spezialleistungen apparative Möglichkeiten. Doch wir setzen diese für betreuungsintensive Patienten ein. Weder Darmkrebsvorsorge noch die Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) oder fortgeschrittenen Lebererkrankungen lässt sich im Ruck-Zuck-Verfahren im Sinne einer technischen Kontrolle oder Reparatur bewältigen. Wir behandeln schließlich Menschen mit Sorgen, Nöten und Beschwerden, die ihre Lebensqualität oft erheblich beeinträchtigen."

Magen-Darm-Ärzte verstehen sich als medizinisch tätige Fachärzte, die kranken Menschen ein beschwerdearmes, bestenfalls ein beschwerdefreies Leben ermöglichen. Die Abwertung der gastroenterologischen Leistungen und die durch diese Reform noch verschärfte Unterfinanzierung der Betreuung von Patienten mit chronischen Erkrankungen des Verdauungssystems werden dennoch zu einem Umdenken bei vielen Magen-Darm-Ärzten führen. "Letzten Endes müssen wir unsere Praxen und unser Personal finanzieren", sagt Dr. Mainz. "Das wird deutlich schwieriger und die ersten Kollegen haben bereits angekündigt, dass sie keine neuen CED- und Leberpatienten mehr annehmen werden. Als Berufsgruppe haben wir erheblichen Zweifel, dass eine Umverteilung auf dem Rücken der Schwachen der Intention eines solidarischen Gesundheitswesens gerecht wird."


(c) 2011, Gemeinschaft niedergelassener endoskopisch tätiger Internisten im Saarland e.V.