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09.03.2020

Krankenkassen verweigern Kostenübernahme für Hygiene-Aufbereitung

Streit um Einmalinstrumente immer abstruser


"Wir wollen und werden uns mit unserer endoskopischen Tätigkeit nicht zu einem Hotspot für Infektionen in Deutschland machen lassen", erklärt der Vorsitzende des Berufsverbands der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte Dr. Albert Beyer. "Die Kassen beharren auf Mehrweginstrumenten wie Schlingen und Zangen, die auf dem Markt kaum noch zu haben sind und unter den behördlichen Vorgaben in Facharztpraxen praktisch nicht aufgereinigt werden können. Hygienisch einwandfreie Einmalprodukte wollen sie nicht bezahlen."

Instrumente wie Zangen und Schlingen benötigt der Magen-Darm-Arzt im Zuge der Darmspiegelung, um Gewebeproben entnehmen bzw. Polypen abtragen zu können. Diese Instrumente werden durch das Endoskop in den Magen-Darm-Trakt vorgeschoben und unterliegen strikten Hygiene-Anforderungen. Sie müssen gründlich gereinigt oder am besten gleich als Einmalmaterialien eingesetzt werden. Nachdem die Behörden die Auflagen für die Aufbereitung von Mehrwegprodukten verschärft haben, ist eine zulässige Reinigung unter praxisüblichen Bedingungen in der Regel nicht mehr möglich.

Derzeit besteht der Spitzenverband der Krankenkassen in den Verhandlungen mit der ärztlichen Selbstverwaltung dennoch unter Verweis auf eine einzige Firma, die nach dem 1. April überhaupt noch Mehrwegprodukte anbietet, darauf, dass für Darmspiegelungen trotz unzulässiger oder nicht praktikabler Aufbereitungsmethoden weiterhin Mehrwegprodukte verwendet werden sollen.

"Der Blick auf die grassierende Corona-Epidemie zeigt jedem, dass diese Einstellung unhaltbar ist", stellt Dr. Beyer fest. "Denn dieses Virus wird nicht nur in den oberen und unteren Atemwegen, sondern auch im Stuhl infizierter Patienten nachgewiesen. Uns erscheint deshalb ein kurzfristiger Wechsel auf Einmalprodukte und deren Erstattung sinnvoll, notwendig, wirtschaftlich und angemessen."


(c) 2011, Gemeinschaft niedergelassener endoskopisch tätiger Internisten im Saarland e.V.