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28.01.2018

Kapselendoskopie: Zwischen Innovation und Stagnation


"Neue, medizinisch relevante Verfahren haben es schwer, ihren Weg in die ambulante Regelversorgung zu finden", sagt Dr. Horst Hohn, der Experte für Kapselendoskopie im Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Die Hürden sind so hoch gehängt, dass sie vor dem Hintergrund der Versorgungsrealität kaum überwunden werden können."

Der erfahrene Endoskopiker äußerte sich im Rahmen der jährlichen Zusammenkunft des Beirats der ambulant tätigen Magen-Darm-Ärzte am vergangenen Wochenende in Berlin. Bei dieser Veranstaltung wird neben berufspolitischen Aspekten regelmäßig die Versorgungslage von chronisch erkrankten Patienten erörtert, die aufgrund schwer wiegender Erkrankungen der Verdauungsorgane auf eine intensive Betreuung in der Facharztpraxis angewiesen sind.

Zu den betroffenen Patienten gehören unter anderen Menschen mit chronischen Entzündungen, die im Dünndarm lokalisiert sind. Der Dünndarm ist für endoskopische  Untersuchungsmethoden sehr schwer zugänglich. Neben äußerlichen bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT und sehr aufwändigen endoskopischen Methoden steht dafür mit der Kapselendoskopie ein nicht belastendes und sehr aussagekräftiges Instrument zur Verfügung. Die Untersuchung erfolgt mit einer Videokapsel in Tablettengröße, die vom Patienten geschluckt wird und während der Darmpassage kontinuierlich hochauflösende Bilder von der Darmoberfläche aufzeichnet.

"Das Verfahren ist anderen Methoden deutlich überlegen und wird in medizinischen Leitlinien empfohlen", erklärt Dr. Hohn. "Trotzdem kann es im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen von niedergelassenen Ärzten nicht für die Abklärung von chronischen Entzündungen im Dünndarm abgerechnet werden. Dazu müsste es erst ein Zulassungsverfahren durchlaufen, in dem Kosten und Nutzen auf der Basis von Studien bewertet werden. Da keine Studien mit ausreichender Qualität vorliegen und eine Finanzierung solcher Studien nicht in Sicht ist, besteht keine Aussicht auf Erfolg für einen Zulassungsantrag."

Diese Sachlage führt dazu, dass der Arzt seine Entscheidung für oder gegen eine sehr teure Therapie zurzeit nicht auf die Basis einer effektiven Methode stützen kann, deren Überlegenheit eigentlich von keiner Seite in Abrede gestellt wird. Er muss stattdessen auf weniger geeignete Methoden zurückgreifen, die oft nur eine unsichere Einschätzung des Krankheitsbildes ermöglichen. "Zulassungsverfahren für neue Methoden sind ohne Zweifel erforderlich, um Wildwuchs im Versorgungsangebot zu unterbinden" meint Dr. Hohn. "Aber es ist widersinnig, wenn die Kriterien für die Zulassung so gefasst sind, dass Methoden, die eine zuverlässige Entscheidung für hochpreisige Therapien absichern, keine Chance haben."


(c) 2011, Gemeinschaft niedergelassener endoskopisch tätiger Internisten im Saarland e.V.