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30.08.2011

Helicobacter - Asthmaschutz oder Krebsrisiko?


Die Zahl der Bakterienarten, die das menschliche Verdauungssystem besiedeln ist unüberschaubar groß. Ihr Einfluss auf die Gesundheit ist komplex. Klar erkannten Gefahren wie dem erhöhten Risiko, bei Helicobacter-Besiedlung an Magenkrebs zu erkranken, sollte unter realistischer Berücksichtigung möglicher Schutzeffekte dennoch konsequent begegnet werden.

Das Magenbakterium Helicobacter pylori ist weit in der Bevölkerung verbreitet und in vielen Fällen harmlos. Nichtsdestotrotz ist unstrittig, dass es Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie Magenkrebs auslösen kann. Deshalb ist es bei vielen Patienten notwendig, mit einer Antibiotika-Therapie diese Infektion zu beseitigen.

Jüngste Untersuchungen an der Universität Zürich legen anhand von Tierexperimenten die Vorstellung nahe, dass die Infektion mit Helicobacter pylori einen positiven Effekt auf allergisch bedingtes Asthma haben könnte. Eine Infektion der Tiere in den ersten Lebenstagen soll eine immunologische Toleranz herbeiführen können.

Diese ersten Befunde dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass Asthma ein komplexes Krankheitsbild ist, das von vielen Faktoren beeinflusst wird. Viele Menschen sind nicht mit Helicobacter infiziert und haben trotzdem kein Asthma. Bei der Abwägung von Nutzen und Risiken einer Antibiotika-Therapie ist zu berücksichtigen, dass Toleranz gegen Asthma-Allergene nicht auf das Vorhandensein der Magenkeime angewiesen ist. Der ungesicherten Asthma-Prophylaxe durch einen potenziellen Krankheitserreger steht hier die sinnvolle Helicobacter-Therapie bei verschiedenen, z.T. schwerwiegenden Magenkrankheiten gegenüber.

„Medizinische Eingriffe bergen immer Chancen und Risiken“, betont Dr. Franz Josef Heil vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng). „In jedem Einzelfall wird der Gastroenterologe die persönlichen Umstände berücksichtigen. Generell wird der Nutzen der Antibiotika-Therapie, die ja in der Regel erst im Erwachsenenalter eingesetzt wird, durch den möglichen Schutzeffekt im Kindesalter nicht in Frage gestellt.“


(c) 2011, Gemeinschaft niedergelassener endoskopisch tätiger Internisten im Saarland e.V.